Entwicklungstrauma

Den Begriff "Trauma" verbinden wir meist mit Schocktraumen, also schwerwiegenden Ereignissen wie Verkehrsunfällen, Gewalt und Bedrohung, Mißbrauch u.a.
Nicht so bekannt ist der Begriff des Entwicklungstraumas.

Unter Entwicklungstraumata versteht man anhaltende Verletzungen in unserer Kindheit, die einen prägenden Einfluss auf unsere Persönlichkeit haben. Es handelt sich dabei um meist kleinere Verletzungen, die wir Erwachsene im Einzelfall oft als nicht dramatisch betrachten. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Verletzungen immer wieder auftreten. Und dies ist meist der Fall, da Erwachsene vielfach immer wieder ähnlich auf Verhaltensweisen eines Kindes reagieren. Dann hinterlässt jede weitere Verletzung quasi eine "Vertiefung der Kerbe", die die früheren Verletzungen schon geformt haben.

verlassenes weinendes Mädchen Solche Verletzungen können entstehen, wenn es Unterbrechungen im Kontakt zwischen Kind und Mutter gibt, z.B. durch Krankenhausaufenthalte, Schreien-Lassen des Kindes ö.ä. Sie können auch entstehen, wenn die Bedürfnisse des Kindes, wie z.B. nach Körperkontakt, nicht oder nicht ausreichend erfüllt werden oder wenn die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit des Kindes, z.B. in der Trotzphase, nicht genügend Unterstützung erfahren oder abgelehnt werden.
Letztlich handelt es sich dabei um Dinge, die jedes Kind wahrscheinlich in der ein oder anderen Form einmal in seinem Leben erfahren hat.


Für das Kind kann so eine Verletzung darüber hinaus einen ganz anderen Stellenwert haben als für uns Erwachsene. Dies hat u.a. damit zu tun, dass sich das Nervensystem des Kindes erst entwickeln muss und das Kind sich in den ersten Lebensjahren nicht selbst regulieren kann. Es ist daher vollkommen darauf angewiesen, dass eine Bezugsperson ihm Liebende Mutter mit ihrem Kind auf dem Armhilft, seine Gefühle zu regulieren, z.B. indem es auf den Arm genommen und beruhigt wird.

Weiterhin sind kleine Kinder in allem (Essen, Schlafen, Kontakt, emotionale Zuwendung) von ihren Bezugspersonen abhängig. Und sie haben kein Zeitgefühl. Eine auch nur kurzzeitige Unterbrechung des Kontaktes kann sich daher z.B. für ein Kind schnell lebensbedrohlich anfühlen. Es weiss nicht, ob und wann die Bezugsperson wieder zurückkommt und ob es "überleben" wird.

Leider haben wir i.a. keine Erinnerung an die ersten 3-4 Lebensjahre, höchstens vielleicht ein Gefühl oder einzelne Bilder. Das ist ein Problem, weil Menschen oft nur ernst nehmen, an was sie sich selbst erinnern können. Wir müssen uns meist auf Erzählungen verlassen, aber bekommen dabei meist kein Gefühl dafür, was das als Kinder für uns bedeutet haben mag.

wütender abwehrender JungeDennoch haben diese Verletzungen in der Kindheit einen prägenden Einfluss auf unsere Persönlichkeit. Sie haben einen Einfluss darauf, was wir heute - als Erwachsene - in bestimmten Situationen fühlen und wie wir mit Situationen umgehen.
Sie können beeinflussen, wie verbunden wir uns mit anderen Menschen fühlen, ob wir für unsere Bedürfnisse sorgen und eintreten können, ob wir Grenzen setzen können oder dazu neigen, über unsere Grenzen zu gehen, ob wir unsere Gefühle weg machen mit Essen/ Trinken, Arbeiten, Sex o.a., ob wir ein Gefühl von Sicherheit und Halt haben und vieles mehr.

Letztlich gibt es kein Kind, dass ohne Verletzungen aus seiner Kindheit kommt. Insofern betrifft das Thema uns alle.

Die von mir angebotenen Therapien bieten die Möglichkeit, Entwicklungstraumata zu bearbeiten und dadurch einen besseren Umgang mit Situationen in unserem heutigen Leben zu finden.